Etwas für das Herz und die Seele...

Von Ralph Knapp

Andachten, Gedichte zum Bedenken und meditieren

Das hab ich zwar schon mal ähnlich im Clip gesagt, manch einer liest es aber vielleicht auch gern.

Prominenz.
Ich gehe mal davon aus, dass wir alle nicht dazu gehören. Aber manchmal würde man schon gern einen prominenten Menschen kennenlernen. Grad als sogenannter „Fan“ ist es das Höchste, das verehrte Idol ganz aus der Nähe zu erleben, mit ihm zu sprechen, eine Zeit mit ihm zu verbringen. In der Regel jedoch werden solche Begegnungen oberflächlich bleiben. Und wenn ich mich dann frage, was davon bleibt, ist es allenfalls eine schöne Erinnerung. Bedeutsam für unser Leben sind ganz andere „Prominente“, die nämlich, die uns nahestehen, auf die wir uns verlassen können, Menschen letztlich, über die zumeist keine Zeitungsberichte verfasst, Reportagen gedreht werden, Menschen, die einfach für uns da sind.

So wünsche ich uns, dass wir viele von diesen Menschen kennenlernen, die zu uns stehen. Ob wir „Prominente“ im Wortsinne kennenlernen, mag ja ganz nett sein, unser Leben trägt es nicht.

Wenn Ihr mal wieder in die Dellinger Kirche hineinschauen wollt: im Verlauf des Filmes könnt Ihr das, allerdings ist sie "ein wenig" verändert.

Der Stuhl, der zu Bruch geht, ist übrigens ein Nachbau extra für den Film.

Zuhause, das ist nicht ein Ort wie jeder andere. Zuhause ist ein Stückchen von mir.

Es gibt Schlimmeres, als eine gewisse Zeit vermehrt zu Hause zu sein, auch wenn wir das beinahe nicht begreifen mögen. Immerhin haben wir diesen Rückzugsort, ein Dach über dem Kopf - hoffentlich.

Vielleicht ist es in diesen Zeiten einmal schön, andere Menschen in mein Zuhause schauen zu lassen, ihnen den Lieblingsplatz zu zeigen, oder einen Ort, der für Euch auf eine bestimmte Art wichtig ist. Ich fang mal damit an:

Das ist ein Ort, an dem ich gern meine Texte schreibe (allerdings einer von mehreren).

Es wartet alles auf Dich, Herr, dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt. Psalm 104, 27f

Ein alter Text. Elementar. Die Stillung der Grundbedürfnisse reicht zu überschwänglicher Freude, so sehr, dass die Worte Jahrtausende überdauern.

Grundbedürfnisse haben bei uns keine Lobby. Sie sind grundsätzlich gedeckt und fertigt. Gern wird daran gemäkelt, wie sie hergestellt werden, aber niemand fragt nach den Mühen, die das erfordert. Gern spart man grade an ihnen, um dann die Mittel zu kritisieren, die das Ganze billig machen.

Nein, die alltägliche Ernährung ist kostbar, denn sie begleitet mein Leben, schafft Qualität. Hieran mutwillig zu sparen, verspottet den Reichtum der Gabe. Menschen nicht in Stand zu setzen, sich gut zu ernähren, ist ein Vergehen gegen Gott.

Das Sparen am Elementaren bezeichnet eine Verkehrung der Lebenswerte, an der wir alle leiden und Menschen in aller Welt leiden lassen.

Corona Cordis, Herzenskrone,
nichts im Leben ohne Sinn,

nichts was sich nicht etwas lohne,
mich befragt, wer ich denn bin.

Nichts, was mich nicht fragen liesse,
wohin denn mein Weg sich biegt,

ob ichs fürchte, ob genieße,
obs mich rüttelt, obs mich wiegt.

Was tun?

Vielleicht ein Spaziergang am späten Nachmittag über den Dellinger Friedhof. Hier gibt es Ruhe, Worte zur Meditation, Kunst zum Geniessen und auch jede Menge gute Erinnerungen an Menschen, die hier begraben sind, aber im Herzen und in Gott lebendig.

Und als ich dann an nichts gedacht,
hat mich die Stille sanft betört,

ich habe kurz gar nichts gemacht,
da hat die Seele es gehört

das ungesprochne Ruhewort
das schweigende Gelassensein.

Geborgen an dem stillen Ort,
blieb sie mit sich einmal allein,

im Atem der Unendlichkeit
da konnte sie sie selber sein

und spannt sich auf, fliegt durch die Zeit,
erblickt das Licht und findet heim.

Martin Luther hat einmal gesagt: „Woran du dein Herz hängst, das ist auch dein Gott.“

Vor Augen stehen mir sogleich alle Passionen und Obsessionen, die unser Leben prägen, als ob es nichts anderes gäbe, was uns trägt, im Letzten unserem Leben Sinn verleiht.

Das, worauf ich nicht meine verzichten zu können nimmt die Stelle dessen ein, was meinem Leben scheinbar Sinn verleiht.
Das steht gerade in Frage, denn manche Leidenschaften sind gegenwärtig schwer zu leben, manche Obsessionen zum Glück auch.
Werde ich damit aber freier, um nach dem Eigentlichen des Lebens zu fragen?
Im Grunde schon, weil es Raum dafür gäbe.

Allerdings stehen wir damit sogleich vor dem nächsten Problem. Der Raum ist nicht wirklich frei geworden.

Da, wo viele Themen zwangsläufig ausgeklammert sind, haben wir ein neues, geradezu zwingendes Lebensthema ins Herz gepflanzt bekommen. Und es ist so schwer, es so einzuordnen, wie es ihm gemäß ist, nicht als Damoklesschwert, als reißende Bestie, die alles zu verschlingen droht, sondern als ein Problem, das durch kluges, achtsames und zurückhaltendes Handeln zu bewältigen und als ein Thema unter anderen einzuordnen ist.

Gelingt letzteres, so werde ich wieder frei, mich auch den anderen Lebensthemen zu stellen, die scheinbar so sehr ausgeblendet sind, dass ich gar nicht wahrnehme, so sehr dass sie nach der Coronakrise umso mächtiger werden. Auch sie benötigen Aufmerksamkeit, vorausschauendes Planen, um nicht zum nächsten virulenten Thema meines Lebens zu werden.

Wichtig wird es sein, mit kluger Gelassenheit den Problemen der Welt zu begegnen und sie nicht ins Herz vordringen zu lassen, als ob sie das Thema wären, für das allein ich zu leben hätte. Im Verstand sind sie am besten aufgehoben, hier suche ich Lösungen, ohne mich in der Angst zu verlieren, die in meinem Leben immer wieder neue Gesichter annimmt . Vor kurzem war es noch die Klimakatastrophe und sie wird es auch wieder werden.

Die Namen der Ängste kenne ich vielleicht noch nicht, aber die dahinterliegende Angst kenne ich wohl:
Die Angst, mich zu verlieren, zu vergehen. Letztlich hinter allem die Angst vor dem Tod.

Und so stehen wir immer wieder vor der Frage, woran wir unser Herz hängen, womit wir unsere Gefühle und unser Leben anfüllen: Ist es die Angst vor der Katastrophe, der Verarmung, der Krankheit, dem Leiden, dem Tod, oder ist es eine tiefe Hoffnung, ein Vertrauen darauf, dass es eine Macht des Lebens gibt, die mich will, die mich trägt und nicht vergehen lässt.

Es stellt sich die Frage danach, wie ich mich in dieser Welt wahrnehme, als zufälliges Etwas, das ebenso zufällig vergeht, oder als sinnvoller Teil des Lebens als Kind Gottes, das Sinn und Bedeutung auch über diese Welt hinaus hat und sich dem anvertraut, was über alle Ängste hinausweist.

Mach was draus

Nun könnten wir ja bis Mitte April den Mond anheulen und uns als arme Opfer fühlen. Umgekehrt können wir aber diese sonderbare Situation auch als Chance begreifen:

eine einmalige Chance, etwas zu erleben, was wir bislang noch nicht kannten: uns im Modus des Gebremstseins. Da, wo uns diese Zeit besonders zu schaffen macht, weil wir etwas, was uns ganz besonders wichtig ist, nicht machen können, ist die Frage an uns, wie wir diese Lücke füllen und ob uns die damit gemachter Erfahrungen helfen, unser gewöhnliches Leben noch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Vielleicht nennen wir es einfach nicht Verlust, sondern Verzicht (auch wenn der ja nicht ganz freiwillig ist). Vielleicht mögen wir so etwas wie ein "Fastentagebuch" führen, um zu beobachten, wie sich unsere Einstellung zu manchen Dingen mit der Zeit ändert. Vielleicht kommen wir über Telefon oder Internet mit anderen Leuten darüber ins Gespräch, vielleicht sogar mit ganz Fremden.

Oder noch einmal life und neu mit unseren Kindern. Darüber hinaus haben wir vielleicht noch mal einen neuen Blick auf unsere Nachbarn und ihre Bedürfnisse, wo man helfen kann, wenns garde jetzt eng wird mit Einkauf etc., was manche aus Altersgründen nicht tun sollen und andere aus Gründen der Pflege der Betroffenen nicht tun können.

Wir können einfach mal den Blick aus dem Gewohnten auf das Neue richten und werden ganz neue Erfahrungen machen, Erfahrungen vielleicht auch zum Besseren. Was wir erleben ist eine Krise, ja, aber wie heiß es ganz richtig: Krise ist immer Gefahr und Chance zugleich.

„Wer beharrt bis ans Ende, der wird selig.“
Markus 13,13

Ein Wort für den Tag. Nun ist Beharrlichkeit durchaus eine positive Qualität. An der Sache bleiben, sich nicht beirren lassen, den Weg zum gesteckten Ziel finden.

Auf der anderen Seite kennen wir auch Menschen, die die Beharrlichkeit eines Bulldozers an den Tag legen und zum Erreichen des Vorgenommenen geradezu alles platt machen.

Beides scheint von diesem Bibelwort gedeckt zu sein. Allerdings nur, wenn man es von der restlichen biblischen Botschaft isoliert sieht.
Es ist ein Jesuswort, das er im Zusammenhang mit seiner großen Zukunftsschau gesprochen hat. Für die Jünger irritierend, wird nämlich nach Jesus nicht alles einfach super gut.

Im Gegenteil, die Realität dieser Welt hält vieles bereit, das den Glauben auf eine harte Probe stellt. Dieser Probe gilt es, Stand zu halten. Das ist mit Beharrlichkeit gemeint. Und hier hilft es gar nicht, sich betonköpfig und unsensibel für das, was ist, zu verhalten, sondern klug vom Vertrauen auf Gott her zu prüfen und dann den richtigen Weg zu finden.

Das Beharren bezieht sich nämlich nicht auf ein Verhalten, sondern auf die Grundlage all dessen, was ich tue, das Verbundensein mit dem Ursprung meines Lebens, mit Gott. Von hier her, aus der Erkenntnis des Geborgenseins in Gottes Liebe, kann ich mich den Herausforderungen der Welt stellen und bestehen. Ich bin nicht allein gelassen mit meiner Angst, sondern kann mutig auf die Dinge schauen und das Angemessene zu tun versuchen.

In der Gegenwärtigen Situation ist diese Beharrlichkeit wichtig, um nicht in der Panik zu versinken. Nichts kann mich von Gottes Liebe trennen, deshalb muss ich keine Angst haben. Ich werde klug das Notwendige tun, um nicht fahrlässig gegen das Leben und letztlich gegen Gott zu sein, werde aber nicht zum Sklaven meiner Ängste, der sich verkriecht und die Not vor seiner eigenen Tür nicht mehr wahrnimmt.

Insofern wünsche ich Euch einen Tag als Gottes Kinder. Genießt die Freiheiten, die Euch das stillliegende öffentliche Leben bietet, um ganz zu Euch zu kommen. Das wäre übrigens auch das Anliegen der Passions- und Fastenzeit, in der wir uns gegenwärtig befinden: Im Angesicht des glaubenden Vertrauens wahrzunehmen, was trägt und was schadet.

Hör den Gesang der Stille, der Vögel leises Lied,
und spür wie Gottes Schöpferwille,

so wunderbar geschieht.
Der Sonntag, Tag der Ruhe, keine Hektik, gar kein Lärm,

ich zieh mir an die Wanderschuhe,
durch diese Stimmung geh ich gern.

Und sollt ich Dir begegnen
auf meinem stillen Gang,

so möge Gott uns segnen,
den ganzen Sonntag lang.

Konfirmation

Da fällt mir immer ein alter Witz ein:

Ein Pfarrer hat unter dem Kirchendach Fledermäuse. Und er weiß nicht, wie er sie vertreiben soll. Sie kommen einfach immer wieder, ob er das Dach decken lässt oder auch viel Lärm veranstaltet. Er fragt einen Kollegen. Und wer weiß Rat: „Kein Problem,“ sagt er, „ich hatte auch Fledermäuse unter dem Kirchendach. Da hab ich sie getauft, konfirmiert und sie sind nicht mehr wiedergekommen.“

Witz oder kirchliche Realität? Sicherlich ein wenig kirchliche Realität. Aber woran liegt das? Es könnte daran liegen, dass Kirche einfach uninteressant ist. Oder vielleicht war auch der Konfirmandenunterricht einfach nur langweilig. Oder ich habe dort schlechte Erfahrung gemacht. Oder, oder,…

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass das Leben seine Zyklen hat. Und dass ich das, was mit der Glaube sagt, nicht immer in gleicher Weise verstehe oder benötige. Wenn ich jung bin, suche ich meinen eigenen Weg ins Leben. Ich habe Energie, ich suche Freunde, ich orientiere mich. Der Glaube begleitet mich vielleicht dabei, aber vielleicht nicht unbedingt der Gottesdienst, der mir – in seiner Ausrichtung auf eher ältere Menschen – doch etwas fremd geblieben ist.

Es ist immer die Frage, was wir erwarten, die darüber entscheidet, ob wir enttäuscht oder ob wir zufrieden mit dem sind, was wir erreicht haben. Sind unsere Erwartungen unrealistisch, so werden wir natürlich enttäuscht werden. Sind wir eher bescheiden mit dem was wir erwarten, stellt sich die Zufriedenheit schneller ein.

Zufriedenheit kann sich aber nur dann einstellen, wenn ich meine Erwartungen nüchtern an der Realität messe und mich nicht meinen Fantasien darüber hingebe, wie ist denn sein sollte, ohne danach zu fragen, wie’s denn sein kann. Das Gros unserer Gemeinden ist positiv der Kirche gegenüber eingestellt, hält aber lediglich einen lockeren Kontakt.

Je belasteter dieser Kontakt jedoch ist, sei es durch überzogene Erwartungen von einem zum anderen, sei’s dadurch dass man schlechte Erfahrungen, meistens mit dem Pfarrer, macht, desto eher geschieht es, dass man sich von der Kirche trennt. Je lockere und unverbindliche der Kontakt bleibt, und das lässt sich bei der gegenwärtigen personellen Ausstattung der Kirchen fast nicht vermeiden, desto locker ist auch die Bindung, desto schneller kann es zum Austritt, „aus rein finanziellen Gründen“, kommen.

Darum geht es mir im Konfirmandenunterricht um eine positive Erfahrung fürs Leben. Diese Erfahrung zielt nicht primär darauf ab, dass die Konfirmanden nun regelmäßig am Leben der Gemeinde teilnehmen würden. Das wäre bezüglich der Lebensrealität junger Leute eher unrealistisch. Es zielt darauf ab, dass der Gedanke an Kirche mit positiven Gefühlen verbunden ist an eine gute Zeit. Es zielt darauf ab, dass die jungen Menschen die Erfahrung gemacht haben, dass es in der Kirche Antworten auf Fragen gibt, die das Leben stellt. Es zielt darauf ab, dass sie Menschen begegnen, die ihre eigene Lebenswirklichkeit teilen, und nicht in einem kirchlichen Elfenbeinturm leben, den sie selbst nicht bewohnen und den sie nicht verstehen.

Wichtig ist mir, dass der Glaube, die Möglichkeit des Glaubens, ein Oberton des Lebens ist, den man vielleicht nicht immer wahrnehmen mag, der immer versichernd und Hoffnung gebend da ist. Mag sein, dass das manchem zu wenig erscheint. Ich mache damit positive Erfahrungen. Vielleicht ist es wirklich wenig. Aber ich denke es ist eigentlich genug. Wir sollten nicht versuchen, die Wirklichkeit nach dem zu formen, was wie gerne hätten, sondern wir sollten versuchen die Wirklichkeit realistisch wahrzunehmen und daran teilzuhaben. Nur so werden unsere Antworten auf die Lebensfragen wahrgenommen werden. Und nur so wird sich vielleicht auch etwas ändern.

Entäuschung

Eigentlich müsste das doch etwas ganz positives sein EntTäuschung. Denn, ich täusche mich ja nicht mehr, sondern ich sehe die Realität, wie sie nun einmal ist, ich bin von der Täuschung befreit: ENTtäuscht.

Irgendwie scheint das aber gar nichts positives zu sein. Vielmehr ist Enttäuschung mit ganz negativen Gefühlen verbunden. Ich hatte auf etwas gezählt, mit etwas gerechnet, aber es ist nicht eingetreten. Ich habe mich getäuscht darin, dass ich mich auf etwas verlassen habe, was nicht verlässlich war. Mit Sicherheit ist das auch eine Lehre für die Zukunft.

Aber, ich hätte mich lieber nicht getäuscht, ich wäre lieber nicht enttäuscht gewesen. Dennoch liegt in der Enttäuschung auch etwas Gutes. Denn ich weiß, worauf ich mich in Zukunft verlassen kann und worauf eben nicht. Und das kann im entscheidenden Augenblick sehr sehr wichtig sein. Darum immer daran denken: in jeder Enttäuschung liegt eine Lehre. In jeder Enttäuschung liegt eine Chance. Die Chance, sich nicht noch einmal in einer Person zu täuschen. Das kann im entscheidenden Augenblick sogar lebenswichtig sein.

Und plötzlich ist Januar...

Was ist eigentlich aus all den guten Vorsätzen geworden?

Wahrscheinlich bei vielen wenig...

Es gibt eine biblische Geschichte, die mich an so etwas erinnert. Es ist die Geschichte von Johannes, den man traditionell „den Täufer“ nennt. Er legt den Finger auf die Wunden seiner Zeit. Einer, den man nicht gern hört und dem seine Predigt schließlich den Kopf kosten wird. Denn er hat ja Recht. Bei manch einem erregt er allerdings weniger Zorn als Reue. Ja, wenn man denn etwas ändern könnte…
Man kann, sagt Johannes und ruft die Menschen zur Buß- zur Umkehrtaufe an den Jordan. Ganz neu anfangen, das Alte hinter sich lassen, das ist verheißungsvoll. Und sie machen sich auf. Schon der Weg ist anstrengend und führt durch sommerliche Hitze und Dürre an den Fluss. Eine kleine Busse vorneweg.

Und dann untertauchen. Der alte Mensch stirbt, das Wasser spült buchstäblich alles Falsche, Verbrauchte, müde Gewordene weg. Wie neu geboren steigen die getauften aus dem Fluss. Beschwingt machen sie sich auf den Heimweg, ja alles wird anders werden, die Welt wird sich wandeln…

Wie lang mag dieses Gefühl die Menschen wohl getragen haben. Hält es den Heimweg über an? Übersteht es die mürrische Begrüßung derer, die heute alles haben allein machen müssen, während der nunmehr Getaufte auf dem Egotrip war? Übersteht es die Häme und den Spott derer, die sich mit allem Abgefunden haben und den Status Quo heiligen?

Letztlich bleibt nach dem einschneidenden Erlebnis der Taufe nichts weiter, als dass der Getaufte die Last der Veränderung ebenso auf den eigenen menschlichen Schultern trägt, wie zuvor die Last der Schuld. Letztlich bleibt er mit seinem Vorsatz allein und wird in Folge sehr wahrscheinlich scheitern.

Diese Bewegung wäre längst vergessen, wenn nicht etwas geschehen wäre, das der Taufe ein völlig neues Gesicht, eine völlig neue Qualität gegeben hat.

Jesus lässt sich taufen und nimmt aus der Taufe den Anspruch an den Getauften, nunmehr perfekt zu leben und spricht ihm die Gemeinschaft des vergebenden Gottes zu, die bleibt, auch wenn der Elan des Getauftseins schwindet, auch wenn die Kraft eben nicht reicht, dem Leben eine völlig neue Richtung zu geben. Durch die Taufe Jesu wird aus dem Anspruch an den Menschen der Zuspruch Gottes. Statt das Gestossenseins in die eigene Unfähigkeit erlebt er nun das Getragensein eines Gottes, der mitten unter denen ist, die neu starten, um sie zu stützen, um ihnen aufzuhelfen, um sie zu heiligen.

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